Gedanken des Monats Juni 2010 - “Das Experiment - der Beginn” Ich bin von Haus aus neugierig und auf der Suche, besser gesagt beim Finden von Themen, mit denen ich mich beschäftigen möchte…Themen, die mir neu oder fremd sind… …vor langer Zeit habe ich mich zum Beispiel ausführlich mit Wochenmärkten und ihren Besuchern beschäftigt…indem ich sehr oft, teilweise schon sehr früh, auf verschiedenen Wiener Wochenmärkten meine Runden gedreht habe…dort hatte ich Gelegenheit mit Menschen ins Gespräch zu kommen und bei einem Frühstück Geschichten aus deren Leben zu hören…das Frühstück bestand in der Regel aus einem Leberkäsesemmerl und einem Bier…ich verzichtete allerdings meistens in Anbetracht der frühen Tageszeit auf Alkohol, manchmal aber kam ich nicht darum herum, weil ich eingeladen wurde und eine Ablehnung einer Beleidigung gleichkam…auch eine Erfahrung… …auf jeden Fall erlebte ich eine Menge Geschichten und teilweise sehr berührende Momente, mit Menschen aller Art…eine wunderschöne, sehr lehrreiche Erfahrung… und heuer war es wieder einmal soweit…ich wollte wissen, wie es denn wäre, wenn ich nur auf mich reduziert bin, unabhängig von meinem Äußeren…in einer Zeit, in der sich alles um das Äußere dreht, der Konsum steigt, die Wegwerfgesellschaft die Norm ist, oder zumindest zu sein scheint…in einer Zeit, in der die Kosmetik, Friseure, Kleidungshersteller und Schmuckstücke einen Aufschwung erleben, weil es heutzutage besonders wichtig scheint (nicht ist…) „mit der Zeit zu gehen“ und selbst vor Männer wird heutzutage nicht mehr Halt gemacht…da kann man geteilter Meinung sein, ob das ein Vor,- oder Nachteil ist ??!!... …also, nachdem ich auch als letztes Schmuckstück meinen Ehering ablegte (in Übereinkunft mit dem besten Ehemann der Welt, der dasselbige tat) und meinen Kleiderschrank ausräumte (auch das tat mir der beste Ehemann gleich) um mich auf die wesentliche Kleidung zu reduzieren, war der Gedanke klar vorhanden…ich musste mich verhüllen, um zu wissen, wie es wäre ganz auf sich reduziert zu sein, ohne Ablenkung nach Außen…nahezu Körperlos, zumindest nicht im Außen sichtbar…uniformiert…die Auseinandersetzung mit dem Für und Wider von Uniformen, z.B. an Schulen, beschäftigte mich und ich habe heute noch immer keine endgültige Entscheidung für mich getroffen, ob ich das gut heißen würde…aus derzeitiger gesellschaftlicher Sicht eher nicht, denn wenn die Gleichheit im Äußeren gegeben wäre, würde mit Sicherheit eine neue Form des Individualismus gefunden werden…sodass man wieder die Machtverhältnisse erkennen könnte…aber ich denke es ist eine Frage der Zeit bis die Unterschiedlichkeiten unter den Menschen der Gleichheit Platz machen und bis wir  alle Eins sind…aber das ist eine andere Geschichte… …die Idee war also geboren und ich konnte außerdem gleich zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen…zum einen die Verhüllung, das Reduziert-Sein auf mich und zum anderen die Auseinandersetzung mit dem Islam und der strengen Auslebung des Koran, der Vollverschleierung der Frauen und dem Umgang damit…und in weiterer Folge die Auseinandersetzung mit dem Umgang unserer Mitmenschen mit vollverschleierten Menschen…in der Zeit der Debatten um das Verbot von Tragen von Kopftüchern an unseren Schulen etc…. …dank dem Internet war ich schnell in Besitz eines schwarzen Chador (auch z.B. Burka, Niqab genannt) und das Experiment konnte beginnen…zunächst dauerte es eine Zeit bis ich die Kleidung richtig anhatte, sodass die Augen frei waren und ich betrachtete mich lange im Spiegel…ich stellte fest dass es sehr warm unter der Kleidung ist…die Haare müssen auf eine bestimmte Art getragen werden, damit ich das Kopfteil verknoten kann…meine Augen sehen weit älter aus, als ich es bisher empfunden habe…mein Kopf erscheint mir unglaublich klein…das Blickfeld ist extrem eingeschränkt – hat den Vorteil dass ich meine Umgebung viel bewusster wahrnehme und ich nehme mir auch die Zeit dazu – muss ich auch denn es dauert einfach länger…ich bin reduziert, meine Körperkonturen sind kaum wahrnehmbar, es ist nicht wirklich festzustellen wie „rundlich“ ich bin (die perfekte Diät !??!)…interessant fand ich auch dass ich einerseits sehr aufrecht ging, ein gewisses Gefühl von Erhabenheit hatte sich eingestellt und andererseits fühlte ich mich unterdrückt, meiner Individualität beraubt… und da stellte sich  mir auch die Frage wie wichtig mir Individualität ist…was es für mich bisher bedeutet hat, was es mit mir macht, wenn ich sozusagen ein „reduzierter“ Mensch bin und es war spannend den Fragen nachzugehen… …Vielleicht kann ich sie dazu anregen sich mit Fragen über ihre Individualität, das Reduzieren, über Uniformierungen oder den Umgang mit unseren ausländischen Mitbewohnern und/oder den verschiedenen Religionen zu beschäftigen, sich auszutauschen und andere Meinungen kennen zu lernen ?... oder eine Idee, die schon lange im Hinterkopf schlummert, ans Tageslicht zu bringen und sich mit Abenteuerlust und Mut in ein Experiment zu stürzen ?... …ich weiß aus eigener Erfahrung, dass es sich lohnt…das Leben hat so viel zu bieten und ich erlebe immer wieder unendlich viel Freude bei meinen Experimenten; der Horizont erweitert sich und wir wissen ja - man lernt nie aus… …und das Experiment ist noch lange nicht vorbei…das war erst der Anfang und ich weiß dass es noch eine Menge Geschichten zu erzählen gibt… Ich habe geplant die nächsten Gedanken des Monats mit Geschichten aus meinem Experiment-Leben zu füllen und freue mich auch über jede Rückmeldung… Alles Liebe ! Birgit Gruber
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